Dienstag, 4. März 2008

Wildtierforum 29. Februar 2008 Bad Wildbad

Das gemeinsam von DJV und LJV Baden-Württemberg organisierte Wildtierforum war unter dem Thema „Biodiversität und Jagd – Sicherung der Artenvielfalt“ mit einer anspruchsvollen Agenda bereits vor Wochen angekündigt worden. Die hohe Erwartung, die ich auf Basis der Themen und Referenten hatte, wurde übertroffen. Eine reibungslose Organisation seitens der Geschäftsstelle der LJV BW, eine gelungene Moderation und ein fachkundiges Publikum aus 150 Anmeldungen komplettierten dieses Symposium zu einer exzellenten Tagung.

In diesem Blogbeitrag möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, die wichtigste Tagungsakzente aus meiner Sicht, zusammenzustellen.

DJV-Präsident Jochen Borchert eröffnete das Symposium mit einem Vortrag zum Thema „Jagd und Biodiversität“. Er setze die UN Konvention CBD in einen deutschen Kontext. Die Förderung der Agrarwirtschaft könnte die Flächenversiegelung etwas abdämpfen. Weiter erläuterte er die zukünftige Strategie der Verkehrsinfrastruktur unter Berücksichtigung von tierfreundliche und gen-austauschbare Verkehrsbrücken. Auch wenn dieses bereits vor 20 Jahren in Luxemburg umgesetzt war, ist es bei der Fläche von Deutschland sicherlich ein wichtiger fortschritt zur Vermeidung der Gen Isolation. Kurzfassung Vortrag hier.

LJV Landesjägermeister Dr. Dieter Deuschle beschrieb die Nachhaltigkeit im historischen Rahmen der Jagdausübung. Die Wiederansiedlung vertriebener Tierarten, wie auch der Schutz bedrohter Tierarten, setzen Fachkenntnisse voraus, die in der Grundstufe durch die Jagdausbildung schon strukturell vorhanden sind. Deshalb ist die Jagd ein wichtiger Bestandteil zur Sicherung unserer Natur und Umwelt. Kurzfassung Vortrag hier.

Peter Hauck, BW Minister ELR, projektierte die Bio-Diversität Anforderungen in die Praxis und formulierte daraus schon erste Erkenntnisse.

  • Zur Erklärung der Biodiversität sind die Wildtiere die beste Leitbilder
  • Die Landnutzung, unterteilt in den Aspekten Lebensqualität, Naturschutz, Jagd, Agrarproduktion, zeigt schon eindeutige Zielkonflikte
  • An Hand von Best Practice soll bis Mitte März einen Aktionsplan vorliegen, die primär auf Vertrauen der Akteure (Umsetzung) setzt. Die Beispiele „Rotwild in Südschwarzwald“ und Arbeitsgemeinschaft „Belchen“ zeigten die Vorteile einer gesamtheitlichen Optimierung anstatt die bislang disziplinbezogene Vorgehensweise
  • Durchlässigkeit der Verkehrsinfrastruktur

Prof. Dr. Klaus Pohlmeyer (Hannover) erläuterte die Vereinbarung CBD, so wie sie in 1993 in Deutsches recht umgewandelt wurde. Nutzung unter eine Nachhaltigkeit fördert die Bereitschaft zu investieren (Streckenaufzeichnungen, Wildmonitoring) und weicht damit gravierend vom Naturschutz ab (use it or loose it). Die Überlassung ihrer natürlichen Succession reduziert die biologische Vielfalt nachweislich. Die Verhaltensweisen des Wildes sollten entsprechend berücksichtigt werden wie ausreichend Lebensraum bei ziehenden Wildarten Da Monokulturen, die Vielfalt reduzieren, sollte eine aktive Lebenshilfe zur Sicherstellung der Ackerlandvielfalt, eingesetzt werden (Hase, Rebhuhn). Da die Wiederansiedlung verdrängter Tierarten ebenfalls mit der Konvention vereinbart wurde, sind wildbiologische Kenntnisse erforderlich, Der Jäger ist somit ein geeigneter Projektmanager (Nutzer, Kenntnis und Erfahrung).Dei Bekämpfung (Eliminierung) von Neozoen hält er für nicht erreichbar. Die Bejahung von Prädatoren zum Schutz von Restbeständen, wie auch Beutegreiferkontrolle sind uns als Jäger bereits ausreichend bekannt. Kurzfassung Vortrag hier.

Prof. Dr. Roland Klein (Trier) erläuterte das Monitoringprogramm WILD auf Basis der Ergebnisse 2006. Broschüre bei DJV erhältlich. Kurzfassung Vortrag hier.

Dr. Thomas Kaphegyi (Freiburg) berichtete über Großwild Programme an Hand des Luchses. Kurzfassung Vortrag hier.

Die nachhaltige Nutzung und gerechter Vorteilsausgleich bei Nutzung genetischer Ressourcen waren die Kernthemen des Vortrages von Prof. Manfred Niekisch (Greifswald). Die Lösung im konfliktpotential zwischen TRIPs der WTO und die CBD, wird wohl global die Erreichbarkeit der konsequenten Nachhaltigkeit entscheiden. Herr Niekisch machte es allen deutlich, dass Nachhaltigkeit unterschiedlich aufgesetzt werden kann, aber schlussendlich die Wahrung der biologischen Vielfalt über den Erfolg oder das Scheitern der Nachhaltigkeitsmodelle entscheidet. Kurzfassung Vortrag hier.

Minister Stefan Mörsdorf (Umwelt Saarland) verdeutlichte das Artensterben als regionales Symptom mit dem Schwerpunkt am Äquator (auch hier ist die größte Vielfalt vorhanden). In Europa haben wir eher kein Artensterben vorliegen. Die Organisationen des Umweltschutzes fokussieren sich eher auf Randthemen. Somit war seine Frage: „wo tragen wir Verantwortung für Artenvielfalt unter dem Aspekt des Konsums“. Da diese Frage sehr unterschiedlich beantwortet wird, postulierte er die faktische Kernfrage: „wie sieht eine Wunschlandschaft aus in dem wir uns heimisch fühlen?“ Klar ist, das die Beantwortung dieser Frage sehr individuell sein wird.

Dr. Andre Baumann (NABU BW) hatte versucht die Verbindung Jagd zu Naturschutz darzustellen und Bedingungen zu formulieren. Beispiele waren etwas sehr trivial. Sein Eifer ging zu Lasten des Inhalts und brachte somit faktisch keine neue Erkenntnisse. Kurzfassung Vortrag hier.

Gruß Paul

Keine Kommentare: