Dienstag, 4. März 2008

Brettwald Östringen damals: Lobbyismus oder Nachhaltigkeit

Sind Sie bitte nicht überrascht, ich möchte jetzt nicht nur Geschichte betreiben. Jeder kennt ja den Spruch: „die Geschichte wiederholt sich“. Wenn das so sei, dann kann ein Wissen über die Geschichte nicht schaden.

So 1999/2000 war ich Jagdgast in Östringen (so direkt vorm Haus). Im Internet kam ich dann auf die
Natura 2000 Seiten, die damals schon digitalisierten Karten hatten. Ich hatte mal so den Plan eine Revierkarte mit jagdlichen Einrichtungen anzufertigen. Mitte 2000 merkte ich, dass 2 Gebiete, die vorher für FFH projektiert waren, jetzt nicht mehr kartiert waren. Ich brauchte nicht mehr lange zu warten, denn die „Brettwald-Initiative“ war schon in der Geburtswiege. Die Wertigkeit dieses Mischwaldes mit dominant Buchen und Eichen, brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Auch Orchideen gibt’s da.

Nun wurde von Seiten Bürgermeister und Gemeinderat der Tonabbau befürwortet. Sollte doch die Finanzlage der Stadtkasse aufgebessert werden, da die Einnahmen der Gewerbesteuer doch deutlich abnahmen, oder besser gesagt versiegten. Die Firma Trost hatte auch großes Interesse, die Arbeitsplätze zu erhalten sogar Pläne zum Ausbau wurden angedeutet und ein Gutachten (von irgendeinem Institut) bescherte sehr gute Tonqualität für die Fertigung von Ziegeln und Porotonsteinen. Sogar eine Verkehrsplanung war angedacht, damit der Schwerlasterverkehr von und zu Tongrube den restlichen Nahverkehr nicht stören sollte.

Unter dem Begriff Nachhaltigkeit war dann der Plan nach Abtragen des Tons und Wiederauffüllung die Fläche neu zu bewalden. Sagt man doch einfach: „ist doch prima“. Nur so einfach war die Rechnung nicht. Unter dem Begriff „
Umtriebszeit“ wird bei Bäumen das Lebensalter bis zur Nutzung verstanden. Wenn man die Zeitangaben im Kontext eines menschlichen Lebens setzt, bleibt die Grube doch etwas länger in Erinnerung als uns damals suggestiv vorgehalten wurde. Es wurde argumentiert, dass Veränderungen und Beeinträchtigungen im Wasserhaushalt des Waldes und die Strömungen des Grundwassers und unterirdische Wasserschichten klein oder nicht existent sein sollten. Besonders nach der Auffüllung würde alles wieder normal funktionieren. Bitte denken Sie daran, dass westlich von Östringen Bad Schönborn mit Badebetrieb und Quellen eine therapeutische überregionale Bedeutung hat. Aber das war ja eine andere Haushaltskasse.

Nun werden Zahlen vorgesetzt: Kosten der Erschließung, etc. und Einnahmen aus Abbau und Wiederauffüllung. Tja, es war beeindruckend, denn Östringen schien saniert zu sein. Nur eine Rechnung gab zu denken: die Einnahmen waren nicht differenziert und als dann mal detaillierter gerechnet wurde, wurde schnell deutlich, dass sehr viel innerhalb kürzeste Zeit abgebaut werden sollte oder eine verborgene Einnahmequelle gefunden war. Nun das Erste war trivial nicht möglich, da sonst die Firma Trost aus allen Nähten platzen müsste und sich mindestens das Fünffache ausbreiten musste. Soviel Verkehr hätte die lokale Infrastruktur ebenfalls nicht bewältigt. Also war das Andere ein Augenmerk zu widmen.

Beim Auffüllen lässt sich Geld verdienen. Nicht mit Erdaushub beim Wohnungsneubau. Ton dichtet gut ab, so dass auch anders aufgefüllt werden kann. Ich brauche hier nicht weiter zu schreiben, denke ich. Vor fast 3 Jahren hörte ich eine artverwandte Geschichte aus dem Künzelsau. Eine Gemeinde hatte beschlossen ihren Steinbruch mit Material aus Italien aufzufüllen. Es sei ein lohnendes Geschäft. Als ich dann
Seveso hörte, war mir alles klar.

Nun war der Vorteil für den Brettwald, dass dieser an der Tongrube in Rettigheim angrenzt, aber die Kreisgrenze als Trennung hat. Somit waren das Land, die Regio, wie auch der Kreis zur Stellungnahme gefordert. Die Zeit, die dieses brauchte, konnte die „Brettwaldinitiative“ nutzen sich zu finden und als Interessevertretung akzeptiert zu werden.

Jetzt wo ich dieses schreibe, kann ich es immer noch nicht verstehen, das der Gemeinderat so früh zugestimmt hat. Wäre die Brettwaldinitiative nicht ins Leben gekommen, hätte Östringen ein zweites Loch. Neben der im Haushaltsplan auch einen im Wald. Wie Gutgläubig muss man sein, um diese Verfahren zu akzeptieren? Der Begriff Nachhaltigkeit so einfach im Mund zu nehmen, als würde man über den Anbau vom Sommergetreide sprechen. Und das mit dem Wasserhaushalt des Waldes war ja auch nicht von schlechten Eltern. Hier die Strömung abbrechen und zu meinen, dass der Wald in 3 KM stromabwärts nichts spürt.

Jagd als Naturschutz ist dann unser Schlagwort. Wir haben in Östringen einige Jäger im Gemeinderat, die waren aber damals nicht erkennbar. Als das Ruder gewendet war und klar war, dass der Abbau erstmal die nächsten 15 Jahre ruht, traten diese Kollegen in der waidmännische Kunst ebenfalls der Initiative bei. Nachhaltig zu verstehen.

Wieso sollten Sie dieses lesen? Einfach: Östringen ist nicht einmalig und passiert momentan in Deutschland in unterschiedlichsten Variationen. Ich meine nicht Tonabbau, sondern die doch sehr leichtfertige Anwendung des Wortes „Nachhaltigkeit“. Ich habe bislang die Details und Vorgeschichte noch nicht klären können, aber 3 KM von Östringen stromabwärts liegt die, unter Sondergenehmigung des Kreises, gerodete Fläche.


Gruss Paul


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