Im ersten 2/3 des letzten Jahrhunderts hatte das Vereinsleben eine sehr bedeutsame Rolle in der sozialen Integration. Insbesondere bot das Vereinsleben einen Rückhalt und eine moralische Stütze in mageren Zeiten. Nun im 21. Jahrhundert muss der Standpunkt eines jeden Vereins regelmäßig abgeklärt und eventuell nachjustiert werden.
- Ein Verein ist eine Gruppe Einzelpersonen, die über einen längeren Zeitraum ein gemeinsames Ziel verfolgt.
Viele Vereine haben sich organisiert und sich eine Satzung gegeben und arbeiten gemeinnützig. Kurzum und wohl bekannt: Gruppe Einzelpersonen, gemeinsames Ziel und organisatorischen Rahmen.
Wenn nun die Instanz „Verein“ so gut bekannt ist, wieso tut man sich denn heutzutage so schwer?
- Durch die gestiegene Ausbildungsebene der Bevölkerung und die Zunahme an Freizeit und Freizeitangebot (im Vergleich zu 1965 inklusive Frührente etc.) sind die Erwartungen an den jeweiligen Vereinszielen ebenfalls gestiegen. Dieses ist sowohl für die Bereiche Sport, Kultur, wie auch Politik erkennbar.
- Die Mobilität (geistig wie geographisch) der Menschen ist merkbar gestiegen. Die damit einhergehende Wettbewerbspositionierung unter den Sportvereinen ist auch bei unterschiedlichen Sportarten nicht zu übersehen. In einem Wettbewerb befindet sich fast jeden Verein (Gunst um die neuen Mitglieder).
- Das Commitment (die Verpflichtung) eines Mitglieds ist kurzfristig und wird sequentiell erneuert. Auch dann wenn eine Aktiv- in einer Passivmitgliedschaft gewandelt wird, ist damit noch keine Änderung des Commitments einhergegangen. Wenn aber Vereinstätigkeiten nicht mehr regelmäßig besucht und hierzu Allgemeingründe wie Terminkalender und Stress angegeben werden, ist das persönliche Commitment in der Revision.
Die vorherigen Argumente wirken in der Regel von Außen und gelten für alle Vereine, obwohl die Einflussstärken sehr unterschiedlich sind. Nicht umso weniger gibt es auch die, die von Innen wirken.
- Der Unterschied in Alterstrukturen im Verein und Vorstand, die nicht im Vorstand repräsentiert sind, ist meist der Grund, wieso Jugendlichen sich von Vereinen distanzieren. Bedarf der Verein für ein gutes Fortbestehen aktiven Jugendlichen, muss auf mentale Ebene am Vereinsklima justiert werden.
- Einsatz und Anspruch können Vereine über Jahren schleichend in eine Isolation führen. Dieses fängt meist mit Elementen „Langfriststrategie“ und/oder „Arbeitseinsatz“ an. Falls nur einige diese Themen an sich ziehen ohne die Ergebnisse regelmäßig und ausführlich im Vereinsleben zu spiegeln, kann ein Verein im Verein entstehen. Da diese Personen „mehr leisten“, haben sie einen höheren Anspruch auf Anerkennung, die sie dann so verstehen, dass deren Vorschläge/Ausarbeitungen nicht kritisiert werden (dürfen).
- Eine Kommunikationsstruktur „per Zufall“ ist ebenfalls sehr förderlich für „Verein in Verein“. Mittels Homepage und e-mail ist es in der heutigen Zeit vielfach einfacher Informationen schnell zu verbreitern als dieses früher war. Die Unterdeckung durch Internet ist faktisch einen Trugschluss und kann mittels Kuriere in der Nachbarschaft abgeholfen werden und dabei ein Bindeglied im Verein werden.
Um eine Konsistenz im Verein sicherzustellen ist es sinnvoll Feedback aus Vereinskreisen einzusammeln und zu verarbeiten. Je heterogener die Mitgliederstruktur ist (aktiv / passiv, geographisch, alt / jung, … ) je größer das jeweilige Überraschungsmoment, wenn ein Signal auf „5 vor 12“ deutete. Die Aussage „wieso habt Ihr vorher nichts gesagt“ sollte dabei meistens umgekehrt heißen „wieso haben wir Euch nicht eher angesprochen“. Im Englischen sagt man für dieses innere Gleichgewicht: „give to get“ oder frei übersetzt „was bin ich bereit zu geben um dass, was ich bekommen möchte, zu erhalten“. Es fasst m.E. viele Schwächen des heutigen Vereinslebens zusammen.
Lesen Sie im nächsten Beitrag: meine Wahrnehmungen im Verein KJV Bruchsal.

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