Wenn nun Nachhaltigkeit unter Jäger diskutiert werden sollte, sollte es auch unseren Nachwuchs betreffen. Oder mal ganz einfach „wie retten wir die waidmännische Jagd in/über die nächste Generation“?
Da ich auf unnötige Wiederholungen verzichten möchte, gehe ich davon aus, dass der vorherige Beitrag „Änderungen“ bekannt ist,. Was geht zwischen JAB und Jungjäger ab, wenn der JAB Fuchsstrecke als Vorbedingung zur Bockfreigabe artikuliert? Vor 25 Jahren noch ganz normal, wird heute im Positivfall ein Jungjäger merkwürdig und verwundert nachfragen. Andere machen gleich eine 180 Grad Drehung und weg. Falls der JAB nun die Schultern hebt und behauptet, dass diesem die Tradition entspricht, hat er genau soviel verpasst als der Jungjäger mit der angestrebten raschen Zielerreichung. Beide haben keine Verbindung aufgenommen und werden so auch nie zusammenfinden.
Verändern wir über die Zeit die Vorbedingungen des Jungjägeranwärterseins und kürzen wir anschließend die Ausbildung, kann das Waidgerechte nicht mehr vermittelt werden. Die Wertigkeit, die an Beispiele aus der Vergangenheit erläutert wird, kommen dann den Stellenwert von Anekdoten gleich. Mal ganz faktisch: ein Jungjäger lernt aus dem Buch, besucht mal ein Tiergehege und schaut mal über die Schultern das Ausweiden zu, kreuzt in den Fragenbogen an und ist Jäger; und nach 4 Jahren pachtfähig (siehe eins der nächsten Beiträge). Was ist denn hier falsch gelaufen?
In modernen Begriffen sagt man: der Mentor fehlte. Aber wer ist denn der Mentor? Das sind wir Jäger in unterschiedlichsten Funktionen.
Also stellen wir uns mal einen Jungjäger vor. Vielleicht schon während der Ausbildung, aber bestimmt nach der Prüfung sucht er/sie einen JAB in der ummittelbaren Umgebung. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist dieser Person 60 bis 70m Jahre alt. Somit im Krieg oder direkt danach geboren, aufgewachsen in einer Zeit mit Entbehrungen, danach am Wirtschaftswunder partizipiert und jetzt als JAB in der Lage Menschen zu lenken um Ziele zu erreichen. Der Jungjäger ist Kind von Eltern aus der 68-er Bewegung, somit anti-autoritär erzogen, immer in Erreichbarkeit seiner Ziele (wenn nötig, finanziell durch die Eltern nachgeholfen) und jetzt auf der Suche nach (imaginären) Zielen, da die realisierbare schon abgehakt sind. Wenn diese Personen aufeinander zugehen, bewegen sich Welten. Stefan Fuegner hat jetzt einen Beitrag in seinem Blog der diese Schilderungen noch übertrifft.
Diesen Jungjäger mit dem Säubern von Pirschwegen zu ködern, ist schon eine Illustration von Menschenkenntnis. Wenn die Masche mit den Pirschwegen nicht zieht, lassen einige JAB den Jungjäger in einem Revierteil ansitzen, wo schon lange keine Wild mehr gesichtet wurde (ebenfalls keine Fährten!!!). Aus der Restmenge an Jungjäger, die diese Spielchen über sich ergehen lassen, kommt der einer oder anderer mal zum Bockabschuss. Waidmannsheil. Nur was geschieht mit dieser Person? Bekommt er mal einen Begehungsschein? Hat er freie Büchse? In vielen Fällen brauchen Jungjäger bis zu 10 Jahren um diesen Status der „freien Büchse“ zu erreichen. Dieses (und es gibt viele Variationen) beschreibt den Weg des Jungjägers in die Frust aus dem ihm drei Alternativen retten.
- er/sie löst keinen Jahresjagdschein mehr, sucht sich eine andere Freizeitbeschäftigung und verschwindet
- er/sie löst keinen Jahresjagdschein mehr, sondern geht ins Ausland auf der Jagd. Der Springbock ist auch ein Bock, Hirsche in Ungarn sind besser, und der Elch hat auch noch nicht jeder Jäger an der Wand. Wie für viele Bandscheibengeschädigten der Porsche Boxer trotzdem noch einen Image verleiht, tun es hier die Trophäen.
(Die Alternative zu Auslandsjagden sind die Gatterabschüsse im Inland). - er/sie sucht sich einen alternativen Weg zur Jagd. Das kann das Jagdhorn sein, oder der Jagdhund, oder die glückliche Ehe mit einer der wenigen Waidmannstöchter/-buben mit Aussicht. Oder er/sie ködert sich den Abschuss mit Aussicht auf Auftragsvergabe (Business). Letzteres ist momentan ein beliebtes Internet Foren Thema.
Kehren wir wieder zurück zum Pirschweg oder zur Fuchsstrecke. Wer von den vorher beschriebenen Jungjägern können wir noch einplanen für Revierarbeiten wie Anstreichen der Kanzeln, Ausbessern der Leiter, Freischneiden, etc. Klar es gibt jedes Jahr wieder neue Jungjäger oder wir machen es selber und nörgeln über das schlechte Benehmen der „jungen Generation“ (die wir aber selber so erzogen haben).
Und dann, so ganz plötzlich übernacht, stellen wir fest, dass wir älter geworden sind. Auch wenn wir es wollten, die Revierarbeiten bekommen wir nicht mehr bewältigt. Was nun? Erfinderisch wie wir sind, geben wir als JAB Begehungsscheinen mit Auflagen aus. Das Hänseln erreicht die nächste Ebene der Unbelehrbarkeit. Anstatt als älterer JAB die Pacht abzugeben und einen Begehungsschein (vielleicht sogar auf Lebenszeit) anzustreben, werden die Jäger mit 10 oder 20 Jagdjahren noch immer bevormundet.
Was in der Gesellschaft der Weg in der Selbstständigkeit ist, ist in der Jagd die eigene Jagdpacht. Wenn wir allen so restriktiv bleiben wie wir sind, wo soll denn der Jungjäger noch lernen können? Wenn die Jagdgeschichten von vor 30 Jahren heute noch immer „aktuell“ sind, was ist dann in 30 Jahren von heute? Sind dann die Jagdgeschichten von vor 60 Jahren „aktuell“? Haben unsere Kinder und Kleinkinder noch die Möglichkeit Flora, Fauna und Jagd so zu erleben wie wir es heute können? Das ist das wirkliche Thema der Nachhaltigkeit der Jagd.
Mein erster Jagdherr hat damals zu mir gesagt „Du weißt was Du gelernt hast“ und lies mich raus in seinem Revier mit der Bemerkung „Du musst heute nicht per se schießen“. Ich war damals nicht ganz alleine. Sein „Geselle“ (mit wem ich Jahren gemeinsam gejagt habe) war mit dabei, nicht zur Kontrolle, sondern zur Begleitung als Mentor. Mein erster Jagdherr mit seinen Jagdfreunden und ich treffen uns 1- bis 3-mal im Herbst zur Hasenjagd. Die Herren freuen sich über die (von mir selbst) ausgebildeten Hunde und ich habe Arbeit (Jagd) für meine Hunde. Wenn es irgendwie bei den Einladungen zur Bewegungsjagd geht, bin ich mit meinen Hunden in der Treiberwehr. Beim anschließenden Schüsseltreiben kommt dann oft verstohlen die Frage „wann machen Sie denn den Jagdschein?“
Im Englischen/Amerikanischen gibt es eine Redensart, die lautet „give to get“. Oder frei übersetzt ins Deutsche: „was bin ich bereit zu geben um das, was ich bekommen (erreichen) will zu erhalten?“
Zurück zum Anfang: der Förster rodet bis auf einem bis 3 Bäumen, zieht einen Maschendrahtzaun und lässt die Naturverjüngung für sich arbeiten. Beim Rotwild klappt die Nachhaltigkeit auch, aber beim Schwarzwild gibt es schon Fragen. Klappt es bei den Jägern hinsichtlich Nachhaltigkeit? Haben wir Vertrauen in der Fähigkeit der Jungjäger, so wie wir damals als Jungjäger überzeugt waren von unserem Können?
Gruss Paul
Agenda
Dienstag 05. Feb. 2008 "Die jagdliche Schießpraxis" Veranstaltung von unserem Schiessobmann in Bruchsal-Heidelsheim Anfang 19:30. Diese Veranstaltung ist sehr lohneswert (und nicht nur für Jungjäger), sodass ich auch hier nochmals Ihre Aufmerksamkeit dahin lenken möchte.
Mittwoch 6.Feb 2008 Stammtisch HR V im Vogelheim Huttenheim 19:30
Samstag 9.Feb. 2008 Besuch der Messe Wild und Hund in Dortmund (eine interessante Veranstaltung zur Pflege überregionaler Kontakten)
Montag 11. Feb 2008 Freundschaftsschiessen Kino Vogel, Östringen Anfang 19:00, Treffen 18:50 Anschl. Stammtisch Waldlust.
Samstag 16. Feb 2008 MV GM Baden-Württemberg um 14:00 in Ilsfeld.
Sonntag 24.2.2008 HR II Streckenlegung Fuchswoche
Montag 3. Mrz 2008 Freundschaftsschiessen Kino Vogel, Östringen Anfang 19:00, Treffen 18:50.
Sa/So 15./16. März 2008 Fulda HV’en der Zuchtverbände und JGHV.
Sonntag 30. Mrz 2008 MV Oberländer in Linkenheim, Anfang 15:00

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